//Studie zur digitalen Gesundheit: Deutschland schneidet schlecht ab

Studie zur digitalen Gesundheit: Deutschland schneidet schlecht ab

Deutschland tut sich schwer, wenn es um Digitalisierung in der Gesundheitsbranche geht, die Fortschritte sind minimal. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2018. Gegenstand der Untersuchung war es, herauszufinden, inwieweit die einzelnen EU-Länder politische Strategien zur Digitalisierung im Gesundheitswesen haben und ob moderne Technologien tatsächlich genutzt werden. Im Vergleich von 14 EU- und drei OECD-Staaten landet Deutschland dabei auf dem vorletzten Platz. Absoluter Spitzenreiter ist Estland, gefolgt von Kanada, Dänemark und Israel. Lediglich Polen schnitt noch schlechter ab als Deutschland.

Den nächsten Schritt wagen – Vorteile der Digitalisierung

Zweifelsohne hat Deutschland die Mittel, die Digitalisierung aktiv voran zu treiben, die technischen Voraussetzungen sind gegeben. Bereits 2003 ist die damalige Bundesregierung mit dem Beschluss zur Einführung einer digitalen Gesundheitskarte einen ersten Schritt gegangen. Auch andere Pilotprojekte, wie zum Beispiel Telemedizin und Notfallversorgung von Schlaganfallpatienten, waren weitere Grundsteine, die eine positive Entwicklung ermöglicht hätten. Auch die wachsende Anzahl medizinischer Start-up-Unternehmen zeigt, dass ausreichend Potenzial vorhanden ist, um das Ziel einer fortschreitenden Digitalisierung der Branche zu erreichen.
Allerdings ist davon im Alltag der meisten Patienten nichts spürbar. Die technischen Mittel sind nicht bundesweit gleich und für alle nutzbar. Das Problem liegt in der Uneinigkeit politischer, aber auch selbstverwaltender, medizinischer Akteure. Dass es um ein gemeinsames Anliegen – der Verbesserung der Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung – geht, scheint nicht bei allen Entscheidungsträgern angekommen zu sein. Zum Nutzen der Patienten ist es erforderlich, entschlossen zu handeln, um die Gesundheitsbranche zu reformieren.

Das Potenzial der Digitalisierung

In den Ländern mit dem höchsten „Digital-Health-Index“ sind viele Technologien, um die in Deutschland noch gerungen wird, längst fest im Alltag integriert. Der Index setzt sich dabei aus zwei wichtigen Bestandteilen zusammen: Dem Digitalisierungs-Index, für dessen Berechnung 150 Kriterien analysiert werden und einer Untersuchung der Erfolgsfaktoren der Gesundheitssysteme anderer Länder.

Deutschland erreicht in der Studie einen Index von 30,0 (von maximal 100), während beispielsweise Estland bei 81,9 liegt. Die Lücke ist extrem groß. Das lässt sich auch an den digitalen Maßnahmen der Länder sehen. Die elektronische Gesundheitsakte ist hier schon längst angekommen, und Rezepte können digital übermittelt werden. Die Bürger in Estland und Dänemark können Untersuchungsergebnisse, Impfdaten und Medikamentenpläne online anschauen, während Israel und Kanada bereits per Videokonferenz Ferndiagnosen stellen und Behandlungen mit dem Patienten besprechen. Israel nutzt inzwischen sogar künstliche Intelligenz, um Krebskrankheiten in ihrem frühsten Stadium zu erkennen. Von all dem ist Deutschland aktuell noch weit entfernt.

Das muss getan werden

Fakt ist: Die Spitzenreiter dieses Rankings haben Gesundheitssysteme entwickelt, die effektiv funktionieren. Dafür sind nach Analyse der Bertelsmann-Stiftung eine langfristige Strategie, konsequente politische Führung und eine nationale Kontrollinstanz, die alle Prozesse koordiniert, notwendig. Diese Kontrollinstanzen, die es übrigens in 15 von 17 analysierten Nationen bereits gibt (in Deutschland und Spanien nicht), haben die Aufgabe, die technischen Standards und Datenformate der elektronischen Patientenakte zu definieren. Sie kontrollieren die Digitalisierungsprozesse des Landes, während die Politik den Rahmen vorgibt und dafür sorgt, dass die Entwicklung weiter voranschreitet. Schritt für Schritt wird die Digitalisierung im Gesundheitswesen dieser Länder ausgebaut mit dem Vorsatz, eine Verbesserung der Versorgung zu erzielen und dabei effizient zu handeln.

Diese Länder mit dem höchsten Digital-Health-Index können ein positives Beispiel dafür sein, wie Deutschland agieren könnte, um ebenfalls erfolgreich dieses Ziel zu erreichen.

2019-02-08T16:07:14+00:00Februar 8, 2019|Digitale Medizin|